Allgemein,  Digitalisierung im Alltag

Rekord-Hackathon übertrifft alle Erwartungen

Zivilgesellschaftliches Engagement via Internet

Beim deutschlandweiten Hackathon der Bundesregierung #WirVsVirus entstanden in Online-Teams 1500 Konzepte zur Bewältigung der Corona-Krise.

Junge Frau am Laptop

Hackathon-Teilnehmerin ©StockSnap auf Pixabay

“Muss nur noch kurz die Welt retten”, sang Tim Bendzko in seinem Song über die Generation Internet, und weiter: “noch 148.713 Mails checken.” In etwa so viele Nachrichten dürften am dritten Märzwochenende beim bisher wohl größten Hackathon der Welt gepostet worden sein. Fast 43.000 Anmeldungen, über 28.000 Projektteilnehmer, 1.924 Ideen und knapp 3.000 Mentoren, das ist die Bilanz der Veranstalter, die eigenen Aussagen zufolge nicht ansatzweise mit einer derartigen Resonanz gerechnet hatten. Wenngleich es nicht gleich um die Weltrettung ging, gab es doch ein Ziel: Die gemeinsame Energie und die Schwarm-Kreativität zu nutzen, um in der Corona-Krise etwas Sinnvolles und Gutes zu tun für sich und für andere.

Vorbild Baltikum: Keimzelle digitaler Innovation in Europa

Inspiriert vom “Hack the crisis” Hackathonin Estland am zweiten Märzwochenende, hatte ein Kollektiv junger Berliner Digitalisierungsexperten den Stein ins Rollen gebracht. Sie aktivierten ihr Netzwerk und legten dem Bundestag einen Plan zur Abstimmung in der Corona-Sondersitzung vor. “Es hat nur 48 Stunden Home-Office, 15 Personen und sieben Organisationen gebraucht um einen Hackathon zu organisieren – mit weit über 1000 Anmeldungen in den ersten drei Stunden und der gesamten Bundesregierung an Bord!” so Mit-Initiatorin Adriana Groh in ihrem LinkedIn-Profil.

Geschwindigkeit zählt: Aufruf verbreitet sich viral

In diesem Tempo sollte es weitergehen. Auch wenn es im aktuellen Zusammenhang ironisch klingt, dass das schnelle Verbreiten von Nachrichten mittels sozialer Netzwerke als Virale Kommunikation bezeichnet wird, war die Einladung zum Mitmachen offenbar hochansteckend. Zwei Tage nach der Bekanntgabe fiel der offizielle Startschuss zum Hackathon per Videobotschaft. 48 Stunden lang tauschten sich interdisziplinäre Teams aus Ideengebern, Programmierern, Designern, Kommunikationsspezialisten und anderen Enthusiasten per Chat und Videokonferenz aus, um am Samstagabend einen Prototyp der Software, Webseite oder App mittels Kurzvideo zu präsentieren.

Spinnen erwünscht: Geht nicht gibt’s nicht

Der Hackathon stammt aus der Software-Entwicklung und bezeichnet eine Veranstaltung innerhalb oder außerhalb eines Unternehmens, bei der interdisziplinäre Teams innerhalb von meist zwei Tagen Ideen zu einer Aufgabenstellung erarbeiten. Mithilfe verschiedener Kreativitätstechniken sollen die Teilnehmer möglichst neuartige, unkonventionelle Lösungen finden. Häufig bedienen sich die Gruppen dabei der Methode des Design Thinking, bei dem die Bedürfnisse der Anwender im Zentrum stehen. “Es war schon etwas chaotisch”, sagt Teilnehmerin Anna Vomhof. “Wir hatten keinen Moderator, der dem Ganzen ein System hätte geben können und haben sehr viel diskutiert. Mit Unbekannten zu arbeiten war aber auch spannend. Bei uns hat sich ein super Teamgeist entwickelt, denn alle brannten für die gemeinsame Sache. Außerdem bekamen wir hilfreiches Feedback von unseren Tutoren, wie dem Vorsitzenden des Einzelhandelsverbands Nordrhein-Westfalen. Unser Projekt wirvonhier.net, eine Shopping-App für den lokalen Einzelhandel, werden wir auf jeden Fall fertigstellen”.  

Impulse nutzen: Perspektiven für die Zeit danach

Per Livestream zeichnete die Jury aus allen Einreichungen 20 besonders vielversprechende Entwürfe aus. Von der digitalen Terminvereinbarung beim Arzt über die Corona-Notruf-Hotline bis hin zu Hilfen für Einzelhandel und Gastronomie oder kostenloser Nachhilfe beim Homeschooling reichen die Konzepte für die Akutphase. Software für die Warenfluss-Steuerung bei Medizin-Artikeln, eine App zur kurzfristigen Vermittlung Arbeitssuchender oder seniorengerechte Videotelefonie für Bewohner von Pflegeheimen: All dies bietet auch nach der Pandemie einen Mehrwert für Gesellschaft, Wirtschaft und Verwaltung. Reich wird dabei niemand. Alle Teilnehmer erbrachten ihre Arbeitsleistung Pro Bono, Preisgelder gab es nicht. Die Prämierung erfolgt in Form von Serverkapazität und Beratungsleistung. Einige der Angebote sind bereits nutzbar, andere stehen kurz vor dem „Go online“. 

Die Corona-Hackathons sind nützlich, sinnstiftend und bringen Abwechslung in das Leben in der Isolation. Zwischenzeitlich fanden Online-Veranstaltungen in Italien, Frankreich, Österreich und der Schweiz statt, ebenso der globale #BuildforCOVID19. Weitere Veranstaltungen sind angekündigt. Mehr Solidarität schadet nie.

Quellen:

https://wirvsvirushackathon.org/

https://wirvsvirushackathon.org/ressourcen/

https://www.bundesregierung.de/breg-de/themen/coronavirus/wir-vs-virus-1731968

https://www.bundesregierung.de/breg-de/themen/meseberg/hackathon-ehrung-1738080

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