Digitalisierung im Alltag

Forever young? Wie digitale Produkte das Gesundheitswesen verändern.

Die Digitalisierung in der Medizin, zusammengefasst unter dem Dachbegriff eHealth, verändert die Therapie und Pflege

Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute. Dieser Schlusssatz vieler Märchen hört sich an wie aus der Zeit gefallen, ist jedoch zu Beginn des Jahres 2020 realistischer als je zuvor. Es leben weltweit 533.000 über Hundertjährige und jedes dritte heute in Deutschland geborene Mädchen kann ein Zentenar werden. Mit dem Alter steigt der Anspruch an die medizinische und pflegerische Versorgung. Weniger im Fokus der Öffentlichkeit als eMobility und IoT, läuft die digitale Transformation des Gesundheitswesens auf Hochtouren.

Der Begriff „eHealth“ ist nicht scharf umrissen. Im Gegensatz zur klinischen Anwendung, wie z.B. dem robotergestützten Operieren, meinen wir damit im Wesentlichen die persönliche Nutzung seitens der Patienten (#PatientEmpowerment) und die digitale Kommunikation zwischen Arzt und Patient, sowie die Datenerhebung und -nutzung (Animation).

Was bedeutet Telemedizin?

Die Digitalisierung ermöglicht die Interaktion zwischen Arzt/Pflegepersonal und Patient mittels Telemedizin, wie z.B. der Videosprechstunde via PC. Ein weiteres Beispiel für Telemedizin ist die Fernüberwachung von Patienten mit einem implantierten Defibrillator. Damit können Kardiologen die Funktionsfähigkeit kardiologischer Implantate auch telemedizinisch in der Praxis überprüfen – gut erklärt von Kardiologe Dr. Stefan Waller aka Dr. Heart. Daneben befeuert der Zugang zu Informationen im Internet die kritische Auseinandersetzung und Einflussnahme durch medizinische Laien, die, wie ePatient Dave, ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen (Video).

Was bedeutet elektronische Patientenakte?

Die ePa ist eine klinik- und praxisübergreifende einheitliche Datenbank, welche ab Januar 2021 allen gesetzlich Versicherten von Ihrer Krankenkasse zur Verfügung gestellt wird. Sofern der Patient sich einverstanden erklärt, werden darin Befunde, Diagnosen, Therapiemaßnahmen, Berichte, Impfungen und Medikationspläne gespeichert. Jeder Patient kann mithilfe einer App selbst einsehen, welche Daten gespeichert werden und entscheiden, welche er löschen möchte. Und er kann selbst entscheiden, wem er Zugriff zu welchen Daten gewährt, auch temporär.  

Was bedeutet Gamification in der Therapie?

In der Therapie kommen zunehmend Elemente von Computerspielen zum Einsatz. Mit VR-Brillen und speziellen Spielenbeispielsweise, gelingt es durch Ablenkung und Interaktion das Stresslevel und somit das Schmerzempfinden von Kindern während einer Behandlung zu reduzieren oder Patienten die Angst vor der Behandlung beim Zahnarzt zu nehmen. Die App Neuronation stellt eine interaktive digitale Testplattform zur Unterstützung der Diagnostik von kognitiven Funktionsstörungen zur Verfügung und bietet Übungsprogramme an. Patienten mit Demenz trainieren mit Rechenaufgaben oder durch das Nachzeichnen von Formen und Figuren ihr Gedächtnis. Angebote für an Alzheimer Erkrankte bauen auf den Einsatz von Fotos, Musik und Bildmaterial zum biografiebasierten Gehirntraining.

Was bedeutet Digitalisierung in der Prävention?

Zwei von drei Smartphone-Besitzern hierzulande nutzt laut einer Studie des Verbands Bitkom bereits Fitness-Software für Training und Ernährung. Diese zählen Schritte und geben durch Auswertung der Pulskurve Empfehlungen für sportliches Training bis hin zu ausführlichen Trainingsplänen. Neben Smartwatches und anderer Hardware sind viele Apps verfügbar, z.B. mit Entspannungsübungen oder Autogenem Training. Tablettenspender mit Alarmfunktion erinnern an die pünktliche Einnahme von Medikamenten.

Was bedeutet IT-gestützte Pflegeassistenz?

Senioren profitieren von der neuen Technik insofern, dass sie weiterhin selbstbestimmt und alleine leben und sich dabei sicher fühlen können. Durch sensorgesteuerte Systeme werden Bewegungsmuster innerhalb der Wohnung überwacht und falls innerhalb eines voreingestellten Zeitrahmens keine Bewegung stattfindet, löst ein Alarm zunächst einen Kontrollanruf oder auch einen Notruf aus. In der betreuten Pflege werden bereits Pflegeroboter eingesetzt und Experten erwarten eine starke Zunahme von Assistenzsystemen in der Pflege. Die digitalisierte Dokumentation verbessert die Zusammenarbeit der verschiedenen Pflegekräfte und ermöglicht z.B. den Pflegegrad schneller anzupassen.

Das Smartphone als Arzt?

Angesichts der technischen Fortschritte darf jedoch nicht außer Acht gelassen werden, dass es um Menschen geht, nicht um Maschinen. Eine Person mit gesundheitlichen Beschwerden benötigt immer auch Ansprache und Dr. Google kann nicht die Erfahrung sowie das Urteilsvermögen von Medizinern ersetzen. Bei der Telemedizin ist zudem mehr Mitwirkung der Patienten erforderlich als bei einer stationären Behandlung im Krankenhaus. eHealth ist Teil einer ganzheitlichen Betrachtung, bei der das Patientenwohl im Mittelpunkt steht. 

TLDR: Unter eHealth fasst man Anwendungen zusammen, die für die Behandlung und Betreuung von Patienten Informations- und Kommunikationstechnologien nutzen. Dazu gehören u.a. die Telemedizin, die elektronische Patientenakte, Gamification, Gesundheitsapps und Pflegeassistenzsysteme. Die Digitalisierung alleine kann nicht die Erfahrung und soziale Kompetenz von Experten ersetzen. Es ist wichtig, die Technik auf die Fähigkeiten der Anwender abzustimmen sowie Zuverlässigkeit und Sicherheit zu gewährleisten. 

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